Geschichte der Akupunktur

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) hat eine lange Geschichte, die mehr als 2000 Jahre zurückreicht. Sie basiert auf dem Konzept der ganzheitlichen Betrachtung von Gesundheit und Krankheit und umfasst verschiedene therapeutische Ansätze wie Akupunktur, Kräutermedizin, Massage (Tuina), Qi Gong und Ernährungstherapie.

Die Entwicklung der TCM wurde stark von der daoistischen Philosophie und dem Konzept des Yin und Yang sowie den Fünf Elementen beeinflusst. Frühe medizinische Texte wie der „Huangdi Neijing“ (Innere Klassiker des Gelben Fürsten) legten die Grundlagen für das Verständnis von Gesundheit, Krankheit und Heilung in der TCM.

Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Konzepte und Methoden der TCM weiterentwickelt und verfeinert. Zahlreiche medizinische Gelehrte und Praktizierende haben zur Entwicklung und Verbreitung der TCM beigetragen. Unter den bedeutenden Persönlichkeiten sind Zhang Zhongjing, der als Vater der Chinesischen Kräutermedizin gilt, und Hua Tuo, der als Pionier der Anästhesie und Chirurgie in der TCM angesehen wird.

Der „Innere Klassiker des Gelben Fürsten“ von Huang Di Nei Jing stellt das älteste bekannte medizinische Werk dar, das erstmals die Akupunktur als therapeutisches Konzept integrierte. Es handelt sich um eine Zusammenstellung verschiedener Schriften, die aus dem ersten und zweiten Jahrhundert v. Chr. stammen. Das Werk dokumentiert 160 Akupunkturpunkte und beschreibt die Verläufe der Leitbahnen, verschiedene Arten von Nadeln und Techniken zur Nadelung. Die Bekanntheit der Akupunktur in Europa geht auf das Jahr 1658 zurück, als sie zunächst vorwiegend zur Schmerztherapie angewendet wurde. Im Verlauf der Zeit wurden allgemeine Verbesserungen beobachtet, die auf die komplexe Wirkung der Akupunktur im menschlichen Körper hindeuten.

Die TCM wurde im Laufe der Geschichte verschiedenen Einflüssen und Herausforderungen ausgesetzt. Insbesondere während der Zeit der Kulturrevolution in China in den 1960er und 1970er Jahren wurde die TCM weitgehend unterdrückt. Nach dieser Periode gewann sie jedoch wieder an Bedeutung und wurde zu einem integralen Bestandteil des chinesischen Gesundheitssystems.

Heutzutage erfreut sich die TCM weltweit wachsender Beliebtheit und Anerkennung. Neben China haben viele Länder eigene TCM-Verbände, Forschungsinstitute und Ausbildungsprogramme etabliert. Die TCM wird als alternative oder ergänzende Therapieform neben der westlichen Schulmedizin angewendet und hat in einigen Fällen auch Eingang in das Gesundheitssystem gefunden. Die wissenschaftliche Erforschung und Validierung der TCM-Prinzipien und -Techniken ist ein aktiver Bereich der Forschung.

In Deutschland hat sich die Anwendung der Akupunktur als etablierte Therapiemethode bei einer Vielzahl von Erkrankungen entwickelt. Etwa 10% der niedergelassenen Ärzte, 40% der niedergelassenen Orthopäden und 36% der Allgemeinmediziner praktizieren Akupunktur. Es wird geschätzt, dass jährlich zwischen 15 und 20 Millionen Akupunktursitzungen durchgeführt werden. Zudem hat sich ein breites Spektrum an Fortbildungsmöglichkeiten und die Option zur Erlangung von Zusatzbezeichnungen für Ärzte im Bereich der Akupunktur etabliert.


Quelle: dtv-Atlas. Akupunktur (1995)


Alle Texte © Praxis Dr. med. Erika Urban